Max Ackermann (1887 – 1975) war ein bedeutender Maler und Grafiker der zur „zweiten Moderne“, der dem Wandel der Zeit und den zu jener Zeit aufkommenden Stilrichtungen mit forschendem Geist begegnete. Aus dem Einfluss und der Untersuchung unterschiedlicher Stile und Theorien entwickelte er eine eigene Farb- und Formenlehre. Er gilt als Vertreter der abstrakten Malerei und Pionier dieser Bewegung in Deutschland. Durch Ackermanns Vielfältigkeit und den Dualismus von Abstraktion und Figuration bis in die 1960er Jahre ist das Gesamtwerk des Künstlers jedoch zunächst schwer zu fassen. In der aktuellen Retrospektive in DIE GALERIE bietet sich eine Zusammenschau seiner Werke von 1917 – 1975, durch die ein tieferer Einblick in das diverse Œuvre Ackermanns gewonnen werden kann. Als Schwerpunkt seines Gesamtwerkes kristallisiert sich in der Ausstellung die konkrete Auseinandersetzung mit der Abstraktion heraus, die für Ihn die absolute Malerei bedeutete. 1912 entstehen unter Einfluss Adolf Hölzels, neben veristischen und jungenstilartigen Werken, bereits erste abstrakte und ungegenständliche Arbeiten. Von seinem Frühwerk ausgehend wird entlang mehrerer Etappen, die jeweils beeinflusst waren von unterschiedlichen Stilen, Künstlern und Theorien, die Synthese hin zur ungegenständlichen Abstraktion nachvollziehbar. Bereits 1928 stellt er, allerdings mit gegenständlichen Radierungen, in einer Gruppenausstellung mit den wesentlich älteren Künstlern Kandinsky und Grosz aus. Die gewonnene Lehre zur Absoluten Malerei vermittelt Ackermann in einem 1930 eigens gegründeten Seminar an der Volkshochschule in Stuttgart, während seine Werke scheinbar noch experimentell in alle Richtungen greifen. Nachdem ihn 1936 das Lehr- und Ausstellungsverbot ereilt und er 1943 sein Atelier durch einen Bomenangriff verliert, zieht er sich an den Bodensee zurück und wird Mitglied der Höri-Gruppe, der unter anderen auch Otto Dix angehört. Starke abstrahierte, figurative Bildwelten entstehen, die ab 1940 zu intensiven und kraftvollen Kompositionen gereift sind und von Werken Kandisky und Baumeister inspiriert zu sein scheinen. Ackermann ist der Auffassung, dass Kunst die Kraft besitzt, mithilfe derer den großen Geschehnissen der Welt begegnet werden könne. Die sinnlich-sittlicher Wirkung von Form und Farbe, wie die „Gewalt der Fläche“ könne dem Betrachter etwas in seinen Schreckenserfahrung entgegenhalten, wodurch der Stellenwert der Kunst als Religionsersatz für Ackermann deutlich wird. für Ab Kriegsende gewann Ackermann an Einfluss und aufgrund seiner Verdienste erhielt er 1957 den Professorentitel. Ab den 1960er Jahren intensivierte sich die Abstraktion auf der Suche nach der „absoluten Malerei“ in intensivierten Werkserien, wie der Überbrückten Kontinente, Kontrapunkte, Rotationen und Inseln, sowie in malerischen Experimenten mit Farbauftrag und Oberflächenstrukturen. 1964 wird er als Ehrengast in die Villa Massimo nach Rom eingeladen. Es entsteht seine für diese Zeit typischen Pastellserien, in denen er all seine Kompositionen und Werkerfahrungen konzentriert. Sein Gesamtwerk ist durchdrungen von der Vision ein Gesamtkunstwerk in Form eines Kulturbaus zu schaffen.
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