Am 3. Juli 2022 jährt sich Corneilles Geburtstag zum 100. Mal – für uns ein Anlass, das Werk und die Bedeutung des holländischen Malers zu würdigen und ihm eine Ausstellung zu widmen, die ihn im Rahmen seiner Künstlerfreunde der CoBrA-Gruppe zeigt.
Durch die gegenseitige Inspiration in der Gruppe CoBrA, die Corneille 1948 mitbegründet, entstehen frühe Werke, die von einer starken Aufbruchstimmung in der Nachkriegszeit und einer hohen Experimentierfreude zeugen. Nach der Auflösung von CoBrA 1951 geht Corneille schnell eigene Wege und entwickelt eine individuelle Formensprache, die anfänglich zur Abstraktion tendiert, letztendlich jedoch immer darstellend bleibt. Ab 1949 bereist er Tunesien und Nordafrika, wo er sich intensiv mit der afrikanischen Landschaft, dem kulturellen Erbe und der einheimischen Kunst auseinandersetzte. Seine Eindrücke hallen in einer ausgeprägten Bildmotivik nach, in Kompositionen aus linearen Mustern, die aus einer feinen Struktur von erdigen Tönen und wenigen Farbakzenten bestehen und an Landkarten und Stadtpläne erinnern. In seinen figurativen Werken der 1960er und 1970er Jahre verbindet er Linien und Flächen auf intuitive und zugleich lyrische Weise miteinander; ein intensiver Ausdruck und eine starke Farbsaturation sind für diese Arbeitsphase charakteristisch. Der Künstler entwickelt eine unverkennbare Formensprache, die intersubjektiv, sensuell wahrnehmbar und universal in ihrer Symbolik in jeder Kultur verstanden und gelesen werden kann und dem Betrachter unterschiedliche Bedeutungsebenen offeriert.
Gemeinsame Ideen, aber auch beträchtliche Unterschiede in der künstlerischen Auffassung zeigen sich in der Gegenüberstellung von Corneilles Werken mit denen seiner Künstlerfreunde Pierre Alechinsky, Karel Appel, Lucebert, Asger Jorn, Theo Wolvekamp sowie anderer Mitglieder dieser eigenwilligen Avantgarde-Gruppe.
Site managed with ARTBUTLER