Raymond E. Waydelich wurde 1938 in Straßburg als Sohn des Kunsthandwerkers (Ebenist) Marcel Waydelich und seiner Frau Frieda Schneider geboren. Als Vierzehnjähriger erhielt er eine erste Bildhauer-ausbildung in der Werkstatt seines Vaters, durfte aber schon ein Jahr später auf Empfehlung seines Lehrers Louis Fritsch die Académie des Arts décoratifs in Straßburg besuchen. Nach vier Jahren schloss er das Studium mit einem Diplom ab und wurde mit dem Großen Preis der Stadt Straßburg ausgezeichnet. Ein zweites Studium an der Arts Déco in Paris beendete er nach zwei Jahren, ebenfalls mit Diplom. 1973 entdeckt der unermüdliche Sammler von Gebrauchsgegenständen und Familienfotos in Straßburg das Porträt und Manuskript der Schneidergesellin Lydia Jacob (geb. 1876), die in Straßburg lebte. Sie wird zur Konstante in seinem vielseitigen Werk und tritt immer wieder als Muse in Erscheinung. Für seine „Archäologie der Zukunft“, die sich aus seinem Faible für Archäologie entwickelt hat, fügt er zusammen, bemalt, konserviert und dokumentiert er, was die Welt und Umwelt zu verschiedenen Zeiten zu bieten haben und begreift diese Tätigkeit als Erinnerung oder visionärer Blick in die Zukunft. Waydelichs umfangreiches Werk umfasst Gemälde, Plastiken und Skulpturen aus Keramik oder Bronze, Assemblagen, Papierarbeiten sowie öffentliche Kunstaktionen und Performances. Die künstlerischen Techniken seiner farbenfrohen, verspielten, witzig-skurrilen Grafiken reichen von der Zeichnung, dem Aquarell, der Lithographie, der Radierung, der Monotypie bis zu Übermalungen vorgefundener Papierobjekte. Seine Arbeiten befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen, u.a. dem Musée d’Art Moderne (Straßburg), Fond National d’Art Contemporain (Paris), Augustiner-Museum (Freiburg i.B.), Regierungspräsidium Südbaden (Freiburg i.B), Galleria degli Uffizi (Florenz).
1938: Raymond Waydelich wird in Straßburg-Neudorf geboren.
1953–1959: Studium an der École d’Arts Décoratifs in Straßburg und Paris.
1959–1962: Arbeitet als Armeefotograf in Algerien.
1961: Erste Fotoreportage über römische Ausgrabungsstätten in Algerien.
Ab 1970: Verschiedene Reisen, unter anderem nach Nordtunesien, Marokko, in die Türkei und nach Griechenland, Studien zur Kunst in der Archäologie.
Ab 1974: Einzelausstellungen in Frankreich, Deutschland und der Schweiz.
1978: Präsentation des Projekts L‘ Homme de Frédehof im französischen Pavillon auf der Biennale in Venedig.
1986: Lydia Jacob Story im Musée des Beaux-Arts in Mulhouse und Retrospektive im Centre National des Arts Plastiques in Paris.
1997: Kunstveranstaltung Memoria -3790 after Christ auf der Documenta X in Kassel.
Raymond E. Waydelich verstarb am 9. August 2024 in Straßburg.
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