Klaus Zylla

Biografie

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Der deutsche Maler und Grafiker Klaus Zylla wurde 1953 in Cottbus in der ehemaligen DDR geboren. In seiner Kunst finden sich Einflüsse des Surrealismus, der Art Brut und der Gruppe CoBrA. Besonders die 1948 gegründete, eruptive Künstlerbewegung CoBrA mit ihren ungehemmten Emotionen, grotesken Figuren und expressiven Darstellungen – darunter vor allem der niederländische Maler und Dichter Lucebert – zählt zu Zyllas wichtigsten Inspirationsquellen. Aus der intensiven Auseinandersetzung mit unterschiedlichen gestalterischen Ansätzen entwickelte er eine eigenständige, turbulente Bildwelt zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Seine Gemälde sind häufig von surreal-grotesken Wesen bevölkert. Ihre Mimik umfasst ein breites Spektrum zwischen Humor und Ernst, Spott und Ironie, Traurigkeit und Koketterie, Erotik und Keuschheit. Auch technisch zeigt sich Zyllas große Bandbreite: von flüchtigen Pinselstrichen bis zu feinsten, dichten Linien, von scharf umrissenen Flächen bis zu leichten, transparenten Schichten, von leuchtenden Farben bis zu düsteren Tönen.

In allen Schaffensphasen arbeitet Klaus Zylla mit Literatur und Schrift, die er nicht nur inhaltlich interpretiert, sondern auch als gestalterisches Element einsetzt. Die visuelle Umsetzung von Lyrik und Literatur spielt seit jeher eine zentrale Rolle in seinem Werk. So hat er unter anderem Texte von Antonin Artaud, Bertolt Brecht und Thomas Bernhard illustriert; zuletzt fand auch der portugiesische Literaturnobelpreisträger Fernando Pessoa Eingang in sein künstlerisches Schaffen.

Klaus Zylla lebt und arbeitet in Berlin und in Portugal.

1953: Klaus Zylla wird in Cottbus, ehemalige DDR, geboren

1970: Verlässt Cottbus und wird „qualifizierter Bauarbeiter” bei der Wohnungsgesellschaft Hoyerswerda.

1974: Während seines Wehrdienstes wird er als Bauingenieur der Armee eingesetzt und arbeitet an einem Atombunker des Warschauer Pakts.

1975-77: Studium in Weimar an der Hochschule für Architektur und Bauwesen, Abbruch auf eigenen Wunsch. Der vom Staat für ihn gewählte Beruf entspricht nicht seinen Neigungen. Tatsächlich wird seine zunehmende Hinwendung zur Kunst offensichtlich.

1977–80: Umzug nach Ost-Berlin und Arbeit als Siebdrucker in der Werbebranche, während er abends an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee studiert. Erstellt seine ersten künstlerischen Drucke. (Später, in den 1990er Jahren, sollte der Druck das bestimmende Erfahrungsfeld sein, in dem er Erfolg und Anerkennung finden würde.)

1980–82: Vollzeitstudium Industriedesign an der Hochschule für Bildende Künste Berlin-Weißensee. Vor der Rundgangprüfung 1982 vernichtet er alle seine Studien und Entwürfe und bricht das Studium auf eigenen Wunsch ab.

1982–83: Wird Siebdruckmeister an der Hochschule für Bildende Kunst in Dresden. Hier wird Klaus Zylla zunächst von A.R. Penck beeinflusst, der bereits 1980 endgültig nach Westdeutschland gegangen war. Es entstehen zahlreiche Grafiken und die ersten Siebdrucke. Besuche im Kupferstichkabinett ermöglichten ihm, die Kunst der alten Meister, insbesondere Kubin, Dürer und Hermann Glöckner, zu studieren und zu analysieren.

1984: Klaus Zylla wurde gebeten, eine Siebdruckwerkstatt für den DDR-Verband Bildender Künstler in Berlin aufzubauen. Das Projekt verzögerte sich, dennoch richtete er eine Werkstatt am Institut für Baugebundene Kunst ein. Zylla zeichnete direkt auf das Siebdruckgewebe und fertigte für alle seine Werke kleine Auflagen an.

1985: Endlich konnte er seine eigene Siebdruckwerkstatt in Ost-Berlin-Friedrichshain eröffnen. Als Ein-Mann-Betrieb ermöglichte ihm dies unter dem repressiven und totalitären Regime der DDR ein Höchstmaß an Freiheit. Er wurde zu einem der besten und gefragtesten Siebdrucker unter den Künstlern der DDR. In Anerkennung seiner Leistungen auf dem Gebiet des Drucks wurde er als Siebdrucker in den Verband Bildender Künstler aufgenommen.

1986: Harry Lübke, renommierter Berliner Galerist, organisierte die erste Ausstellung mit Zylla’s Werken. Der Ostberliner Stadtteil Prenzlauer Berg eröffnete ihm eine Welt fruchtbarer Verbindungen zu Künstlern, Literaten und Intellektuellen, eine Welt, die stets die Grenzen der Legalität überschritt oder umging. Zylla verwendete die Fehldrucke, Ausschussbögen und Siebe aus seiner Werkstatt für seine eigenen Kunstwerke.

1988: Nach Einreichung eines Antrags beim Verband Bildender Künstler reiste Zylla nach West-Berlin; weitere Aufenthalte im Westen sollten folgen. Die Teilnahme an einem Siebdruck-Workshop an der West-Berliner Hochschule der Künste wurde ebenfalls genehmigt.

1989: Im September schmuggelte Zylla illegal einige Arbeiten auf Papier über die Grenze nach West-Berlin für eine illegale Ausstellung; die Nachricht von dem Projekt sickerte im Osten durch, aber der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 bewahrte den Künstler vor Disziplinarmaßnahmen. Am nächsten Tag reiste Zylla nach Amsterdam in die Niederlande, wo er endlich die Welt der CoBrA-Kunst an ihrer Ursprungsquelle erleben konnte. Er holte alle Kunstströmungen nach, die unter dem DDR-Regime verboten waren. Der kreative Ausbruch der frühen Nachkriegsbewegung CoBrA könnte durchaus die letzte inspirierende Station der Kunstgeschichte sein, die Zylla in seine Kunst aufgenommen hat, und von hier aus fand Zylla seine eigene, individuelle Bildsprache.

1991: Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits etwa 700 Werke auf Papier geschaffen. Gleichzeitig gab Zylla die grafische Kunst auf und eroberte die Leinwand.

1993: Zylla erhielt den Kunstpreis der Grand Kreditbank, Berlin.

1995: Zylla besuchte zum ersten Mal Portugal, das seitdem zu seiner zweiten Heimat geworden ist.

In den Jahren 2008 und 2009 wurde der in Berlin und Reguengo Pequeno (Portugal) lebende und arbeitende Künstler Klaus Zylla mit einer Wanderausstellung durch Deutschland, Spanien, Italien, Frankreich, Schweden und Korea geehrt, in der eine Auswahl seiner jüngsten Werke in verschiedenen Galerien und renommierten Museen wie der Galleri Astley, Uttersberg, Schweden, der Kunstsammlung Jena und dem Ludwig Museum Koblenz.

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