André Masson wurde 1896 in Balagny-sur-Thérain geboren. Schon in jungen Jahren zeigte er ein außergewöhnliches künstlerisches Talent – mit nur 11 Jahren wurde er an der Académie Royale des Beaux Arts in Brüssel zugelassen und studierte später an der École Nationale Supérierure des Beaux-Arts in Paris.
Nach seinem Dienst im Ersten Weltkrieg, wo er schwer verwundet wurde, zog er zu Beginn der 1920er Jahre nach Paris. Hier schloss er Freundschaften mit zahlreichen Künstlern, Dichtern und Intellektuellen der Pariser Kunstszene, darunter Ernest Hemingway, Gertrude Stein, Paul Éluard und André Breton, der ihn 1924 einlud, sich der Gruppe der Surrealisten anzuschließen. 1925 nahm Masson zusammen mit Picasso, Klee, Max Ernst und Max Ray an der ersten Surrealisten-Ausstellung teil. Gegen Ende der 1920er Jahre distanzierte sich André Masson jedoch allmählich von den Surrealisten und wurde 1929 offiziell aus der Gruppe ausgeschlossen.
Nach einigen Jahren in Südfrankreich ging Masson 1934 ins Exil nach Spanien. Hier fand er in der spanischen Literatur neue Inspiration für seine Malerei. Als der Spanische Bürgerkrieg ausbrach, kehrte Masson nach Frankreich zurück und nahm wieder Kontakt zu den Surrealisten auf. Nach der Besatzung Frankreichs im Zweiten Weltkrieg sah sich Masson 1940 erneut zur Flucht gezwungen. Er emigrierte mit seiner Familie nach New Preston, Connecticut. In Amerika lernte er Künstler wie Alexander Calder, Yves Tanguy und Ashile Gorky kennen. Nach seinem endgültigen Bruch mit André Breton 1943 begann er, sich mit der asiatischen Kunst auseinanderzusetzen, was zu seiner sogenannten „Zen-Periode” führte.
1945 zog Masson zurück nach Paris, zwei Jahre später ließ er sich in Le Tholonet bei Aix-en-Provence nieder. In den 1950er und 1960er Jahren fanden zahlreiche internationale Ausstellungen statt und er wurde mit dem Grand Prix National des Arts ausgezeichnet. 1974 erschien sein Aufsatz La mémoire du monde (Das Gedächtnis der Welt), in dem er persönliche Reflexionen über seine Kunst und die traumatischen Kriegserlebnisse verarbeitete. Er starb 1987 in Paris.
André Masson zählt zu den Pionieren des Surrealismus und gilt als Erfinder der „automatischen Zeichnung“. Sein immenses Oeuvre umfasst nicht nur Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen, sondern auch Bühnenbilder und -kostüme, illustrierte Bücher, Druckgrafiken und philosophisch-literarische Texte; seine Werke sind weltweit in bedeutenden Museen und Privatsammlungen vertreten. Trotz seiner engen Verbindung zum Surrealismus behielt er stets einen höchst individuellen Stil bei, der im Laufe der Jahrzehnte einem ständigen Wandel unterlag und sich durch eine intensive Emotionalität und eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den Tiefen des menschlichen Bewusstseins auszeichnet.
1896: Geboren am 4. Januar in Balagny-sur-Thérain in Nordfrankreich.
1907: Im Alter von 11 Jahren wird er an der Académie Royale des Beaux-Arts et l ´Ecole des Arts Décoratifs, der belgischen Nationalkunstschule in Brüssel, aufgenommen. Sein Hauptlehrer ist der Symbolist Constant Montald. Das Werk von James Ensor führt ihn in die moderne Malerei ein.
1912-1913: Zieht nach Paris und studiert bei Raphael Collin und Paul Baudoin an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts.
1914: Studiert Freskenmalerei in der Toskana, unternimmt eine längere Reise in die Schweiz. Als der Erste Weltkrieg ausbricht, kehrt er nach Paris zurück und meldet sich freiwillig zum Kriegsdienst.
1917: Eine schwere Brustverletzung zwingt ihn zu wiederholten Krankenhausaufenthalten. Er wird wegen antimilitaristischer Aktivitäten inhaftiert.
1918/19: Schließt sich Maurice Loutreuil in Martigues an und beginnt, Landschaften zu malen.
1921: Zieht in ein Atelier in der Rue Blomet, in der Nähe des Ateliers von Joan Miró. Der Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler nimmt seine Werke unter Vertrag.
1922: Begegnet Jean Dubuffet, Georges Limbour und André Malraux. Intensive Beschäftigung mit erotischen Zeichnungen und Gouachen.
1923: Experimente mit automatischem Zeichnen, oder écriture-automatique. Hat Kontakt zu Antonin Artaud, Gertrude Stein und Louis Aragon.
1924: Erste Einzelausstellung in der Galerie Simon in Paris. André Breton lädt ihn ein, Mitglied der Surrealisten zu werden. Begegnung mit Ernest Hemingway.
1925: Begegnung mit Yves Tanguy, Jacques Prévert, Jacques Doucet und Pablo Picasso.
1926: Schafft seine ersten Gemälde mit Leim und Sand. Das Bildthema seiner Arbeit dreht sich zunehmend um Gewalt und Tod.
1927: Begegnung mit Alberto Giacometti, der ihn zu ersten Versuchen in der Bildhauerei motiviert.
1930: Durch den Japaner Kuni Matsuo lernt er den Zen-Buddhismus und die asiatische Kunst kennen, die zu wichtigen Inspirationsquellen für sein Schaffen werden.
1932: Begegnung mit Henri Matisse in Südfrankreich.
1933: Entwirft die Bühnenbilder und Kostüme für Léonide Massines Ballett Les Présages. Die erste Ausgabe der Zeitschrift Minotaure, an der Masson maßgeblich beteiligt ist, erscheint.
1936/37: Er entwirft das Cover der ersten Ausgabe der Zeitschrift Acéphale. Als der Spanische Bürgerkrieg ausbricht, kehrt er nach Frankreich zurück. Er nimmt wieder Kontakt zu den Surrealisten auf.
1939: Er schafft imaginäre Porträts und Stadtszenen sowie Sandbilder und Objekte aus Fundstücken. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs beginnt er, die metaphysische Bedeutung seiner Arbeit zu betonen.
1941: Flieht in die Vereinigten Staaten, nach New Preston, Colorado. Befreundet sich unter anderem mit Alexander Calder, Arshile Gorky und Yves Tanguy. Seine Arbeit beeinflusst die jungen Maler des Abstrakten Expressionismus, insbesondere Jackson Pollock.
1943: Trennt sich von André Breton.
1945-47: Trifft Jean-Paul Sartre. Kehrt nach Paris zurück.
1954: Erhält den Grand Prix National des Arts, den nationalen Kunstpreis Frankreichs.
1964: Verringert die Abstraktion in seinen Werken.
1976: Aufgrund körperlicher Gebrechen ist Masson auf einen Rollstuhl angewiesen; Ende der 1970er Jahre hört er auf zu malen.
1987: Stirbt in der Nacht des 27. Oktober in Paris.
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