Stelzmanns Gemälde, die auf faszinierende Weise an die alten Meister erinnern, zeichnen sich durch Mehr Figuren Kompositionen aus, die sich vor einem angedeuteten und dunklen Hintergrund abheben. Das Aussehen und die Haltung der Figuren verwirren den Betrachter besonders: Frauen und Männer sind zu sehen – gehend, sich bückend oder inmitten ausladender Gesten – inmitten urbaner Szenarien und/oder manieristischer biblischer Szenen. Straßenszenen, Karnevals, Zirkuss, Varietés und biblische Schauplätze, insbesondere solche der Passion, sind die Bühnen, auf denen die Figuren des Künstlers ihre allegorischen Rollen im theatrum mundi spielen. Die Passionsgeschichte mit den Szenen des Christus, der das Kreuz trägt, oder dem letzten Abendmahl nimmt in Stelzmanns Werk eine besondere Stellung ein, da in dieser Erzählung die philosophische Frage nach der menschlichen Existenz am deutlichsten zum Ausdruck kommt. In seinen bisweilen grotesk anmutenden Bildszenen untersucht Stelzmann mit seiner ganz eigenen, subtilen Ironie die soziale Identität sowie die menschlichen Charaktere – und all ihre Verhaltensweisen –, die diese Identität ausmachen. Fehlende Augen, die aus übertriebenen, puppenhaften und stimmlosen Gesichtern blicken, offenbaren die verlorenen Seelen der Gesellschaft, bieten eine faszinierende Manifestation von Stelzmanns gnadenlosem, aber gleichzeitig humanem Bild der Menschheit und regen den Betrachter zu philosophischen Überlegungen an.
1940: Geboren in Dresden.
1948: Umzug der Familie nach Leipzig.
1957–60: Ausbildung zum Feinmechaniker.
1960–63: Tätigkeit als Mechaniker.
1963–68: Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig (Akademie der Bildenden Künste).
1968–73: Freischaffender bildender Künstler.
1973–74: Aufbaustudium an der Akademie der Bildenden Künste Leipzig.
1975–86: Lehrtätigkeit an der Akademie der Bildenden Künste Leipzig.
1982: Professur an der Akademie der Bildenden Künste Leipzig.
1986: Umzug nach West-Berlin.
1987–88: Gastprofessor an der Städelschule in Frankfurt am Main.
1988–2006: Professor für Malerei an der Hochschule der Künste in West-Berlin (Kunstakademie).
2006: Beendet seine Lehrtätigkeit an der Universität der Künste Berlin (ehemals Kunstakademie).
Volker Stelzmann lebt und arbeitet in Berlin-Wilmersdorf.
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