So unergründlich und geheimnisvoll wie die Tiefen der Ozeane erscheinen uns auch die Bilder des 1962 geborenen spanischen Malers José Enguídanos, der bereits zum dritten Mal in DIE GALERIE in Frankfurt mit einer Einzelausstellung zu sehen ist. Mit seiner Ausstellung Tiempo de Aguas profundas (zu Deutsch Zeit der tiefen Wasser) ermuntert uns der Künstler, einzutauchen in eine Bildwelt, die sich der Realität entzogen hat. Die nur scheinbar narrative Malerei will nichts erklären, sie liefert allein das Handwerkszeug für eine subjektive Interpretation. Die Suggestion ist das motivierende Moment für seine Bilder und nicht die bloße Beschreibung. Enguídanos‘ Gemälde sind Teil eines poetischeren Konzepts, das Emotionen evozieren und Fragen provozieren möchte. Der Schlüssel liegt im Betrachter selbst, er allein kennt die Antworten auf die Fragen, die das Gemälde ihm stellt. Enguídanos‘ Bilder entstehen aus einer Imagination, einer ausgedehnten Realität. Er führt uns an Orte, die er nie bereist hat, die durch seine und unsere Fantasie zu neuen, erdachten Orten werden. Er verbindet die klassische Ölmalerei mit neuen experimentellen Techniken und erzeugt so eine unwirkliche, mystische und rätselhafte Atmosphäre. Während er in der Vergangenheit besonders den dramatisierenden Effekt der Hell-Dunkel-Malerei suchte, ist es heute die von Leonardo da Vinci entwickelte Technik des Sfumato, die es José Enguídanos ermöglicht, eine verschwommene, dunstartige und geheimnisvolle Landschaft zu erzeugen. Ungreifbares wie Nebel, Licht, Wasser oder Feuer faszinieren den Künstler besonders, fordern ihn auch technisch heraus. Seine experimentelle Arbeitsweise mit der Ölfarbe und verschiedenen Lasuren, die nicht selten auch auf dem Fußboden seines im kastilischen Albacete befindlichen Ateliers zum Tragen kommt, schließt auch Zufälligkeiten mit ein. Es entstehen erdige, stimmungsvolle Landschaften und Stadtansichten mit illusorisch perfekt inszenierter Tiefe und raffinierten Perspektiven. Seine aktuellen Arbeiten zeigen zudem eine deutliche Hinwendung zur Farbe und zu stärkeren Kontrasten. An bestimmten Stellen nimmt der den über die Bilder gelegten Schleier zurück, die Farbe wird klarer und reiner. Besonders häufig findet ein knalliges Pink Verwendung auf der Leinwand. Seine Sujets entstehen aus Erinnerungen und Erdachtem. Reisen, die der Künstler unternahm, oder persönliche Erlebnisse haben ihn aber nur indirekt zum Malen angeregt. Seine Inspirationen bezieht José Enguídanos eher aus der Poesie, der Literatur und seiner eigenen Fantasie. Menschenleere Landschaften sind häufiger Gegenstand dieser Gemälde, obwohl die Figur in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Zunehmend, aber dennoch vereinzelt und isoliert setzt der Künstler sie ein, um die Absurdität und Unwirklichkeit des Sichtbaren zu steigern. Der scheinbare Realismus wird dadurch aufgebrochen. Enguídanos malt Tagträume, surreale Kompositionen, deren inhaltliche Zusammenhänge sich selbst ihm oft erst im Malprozess erschließen und ist überzeugt, dass er mit seiner Vorstellung weitaus weiter gehen kann als mit der realen Erfahrung. Mehr als 40 neue Gemälde des international renommierten Künstlers José Enguídanos, der zuletzt mit einer großangelegten Museumsausstellung in seiner Heimatstadt Albacete zu sehen war, zeigt DIE GALERIE in ihrer Frühjahrsausstellung 2019. Der Künstler leitet damit auch das Jubiläumsjahr zum 40. Geburtstag der Galerie ein.
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